ActiveX in Unternehmen: Warum Office Altlasten jetzt geprüft werden sollten

ActiveX: Software Entwicklung in grafischer Darstellung

In vielen Unternehmen gibt es Office-Dateien, die weit mehr sind als einfache Tabellen oder Dokumente. Sie berechnen interne Kennzahlen, steuern Freigaben, erfassen Daten oder bilden kleine Fachanwendungen ab. Oft sind diese Lösungen über Jahre entstanden und funktionieren im Alltag zuverlässig.

Genau deshalb bleiben sie häufig unbeachtet.

Problematisch wird es, wenn solche Dateien ActiveX-Steuerelemente enthalten. ActiveX stammt aus einer älteren Microsoft-Technologiewelt und wurde lange genutzt, um Office-Dateien um interaktive Funktionen zu erweitern. Heute gilt diese Technologie jedoch als sicherheitskritisch, weil sie aktive Inhalte ausführen und tiefer in Systemfunktionen eingreifen kann als moderne, stärker kontrollierte Ansätze.

In  Microsoft 365 und Office 2024 sind ActiveX-Steuerelemente von Sicherheitseinstellungen standardmäßig blockiert, dies ist jedoch von den individuellen Sicherheitsrichtlinien der einzelnen Unternehmen abhängig. Betroffen sind unter anderem Word, Excel, PowerPoint und Visio. Wenn ActiveX deaktiviert ist, können keine neuen ActiveX-Objekte erstellt und bestehende Objekte nicht mehr interaktiv genutzt werden.

Für IT-Abteilungen in KMU entsteht dadurch konkreter Handlungsbedarf. Es geht nicht nur darum, einzelne Dateien wieder lauffähig zu machen. Entscheidend ist die Frage, welche internen Prozesse noch auf einer veralteten Technologie basieren und wie diese sicher abgelöst werden können.

ActiveX in Office: Praktisch gewachsen, technisch überholt

ActiveX war lange ein pragmatischer Weg, um Excel-Dateien, Formulare oder VBA-basierte Anwendungen um zusätzliche Bedienfunktionen zu erweitern. In der Praxis findet man solche Komponenten heute vor allem in älteren Auswertungstools, Eingabemasken, internen Formularlösungen oder Office-Dateien mit gewachsener Makro-Logik.

Aus IT-Sicht ist diese Ausgangslage kritisch. Nicht jede ActiveX-Lösung ist automatisch gefährlich. Aber jede ActiveX-Nutzung sollte bekannt, bewertet und begründet sein. Denn sobald aktive Inhalte in produktiven Office-Dateien eingesetzt werden, entstehen Risiken für Sicherheit, Wartbarkeit und Betrieb.

Auch Fachmedien ordnen ActiveX als veraltetes Komponentenmodell ein, dessen Sicherheit stark von der jeweiligen Komponente abhängt und das nicht wie moderne Anwendungen isoliert in einer Sandbox läuft.

Warum Unternehmen jetzt handeln sollten

Der aktuelle Handlungsdruck entsteht aus zwei Entwicklungen.

Erstens verschärft Microsoft die Standardeinstellungen. ActiveX wird in Microsoft 365 und Office 2024 standardmäßig blockiert. Eine bisher funktionierende Excel-Datei kann dadurch plötzlich nicht mehr wie gewohnt bedient werden. Für Fachabteilungen, die mit solchen Tools operative Abläufe abbilden, wird daraus schnell ein Produktivitätsproblem.

Zweitens rückt die sichere Konfiguration von Office-Anwendungen stärker in den Fokus. Das BSI hat Empfehlungen zur sicheren Konfiguration von Microsoft Excel 2021 und 2024 veröffentlicht. Diese richten sich insbesondere an Organisationen, die Office-Umgebungen zentral verwalten und ihr Sicherheitsniveau durch konkrete Konfigurationen erhöhen wollen.

Damit ist ActiveX nicht mehr nur ein Kompatibilitätsthema. Es ist Teil der Office-Härtung. Unternehmen sollten deshalb nicht warten, bis ein Update bestehende Abläufe unterbricht. Sinnvoller ist eine strukturierte Prüfung, bevor Sicherheitsrichtlinien oder neue Standardkonfigurationen produktive Prozesse beeinflussen.

Die Risiken: Wenn interne Tools zur Angriffsfläche werden

Das größte Risiko liegt häufig nicht in einer einzelnen Datei, sondern in fehlender Transparenz. Viele Unternehmen wissen nicht genau, welche Office-Lösungen ActiveX verwenden, wer sie pflegt und welche Prozesse davon abhängen.

Sicherheitsrelevant wird ActiveX vor allem durch die Möglichkeit, aktive Inhalte auszuführen. Microsoft warnt ausdrücklich davor, unerwartete Dateianhänge zu öffnen oder ActiveX-Einstellungen aufgrund externer Hinweise zu ändern. Solche Mechanismen können bei Phishing und Social Engineering gezielt ausgenutzt werden.

Hinzu kommt: Eine Änderung der ActiveX-Einstellungen betrifft nicht nur eine einzelne Datei. Microsoft weist darauf hin, dass entsprechende Anpassungen für Office-Anwendungen wie Word, PowerPoint, Excel und Visio insgesamt gelten. Eine unbedachte Freigabe kann die Angriffsfläche also deutlich vergrößern.

Neben der Sicherheit entsteht ein betriebliches Risiko. Wenn Eingabemasken, Schaltflächen oder Steuerelemente nach einem Office-Update nicht mehr funktionieren, geraten Fachprozesse ins Stocken. Besonders problematisch wird das, wenn die zugrunde liegende Lösung kaum dokumentiert ist oder nur von einzelnen Personen verstanden wird.

Welche Kosten entstehen durch veraltete Office-Lösungen?

ActiveX-Altlasten können schnell zum Produktivitätsrisiko werden, wenn interne Tools nach Updates nicht mehr funktionieren. Wir prüfen Ihre bestehenden Office-Lösungen und zeigen, welche Aufwände für Analyse, Übergangslösung oder Ablösung realistisch sind.

Von der Analyse zur Ablösung: Wie wir Unternehmen unterstützen

ActiveX ist eine veraltete Technologie und sollte aus unserer Sicht nicht dauerhaft in produktiven Unternehmensprozessen eingesetzt werden. Unser Ansatz ist deshalb nicht, ActiveX künstlich am Leben zu halten. Wir helfen Unternehmen dabei, bestehende Abhängigkeiten sichtbar zu machen und durch sichere, wartbare Lösungen zu ersetzen.

In einem aktuellen Kundenprojekt haben wir genau diesen Prozess begleitet. Wir haben bestehende Tools auf ActiveX-Komponenten geprüft, technische Abhängigkeiten analysiert, Risiken eingeordnet und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Anschließend wurden passende Lösungen umgesetzt.

Der erste Schritt ist für uns eine strukturierte Bestandsaufnahme: Wir prüfen, wo ActiveX in Dateien, Tools und Prozessen eingesetzt wird, welche Daten betroffen sind und wie kritisch die jeweilige Lösung für den laufenden Betrieb ist.

Machen Sie aus gewachsenen Office-Tools stabile Prozesse.

Viele ActiveX-Lösungen sind über Jahre entstanden und eng mit internen Abläufen verbunden. Wir analysieren Ihre Prozesse, identifizieren kritische Abhängigkeiten und entwickeln einen passenden Migrationspfad. Kontaktieren Sie uns! 

Darauf aufbauend bewerten wir Dokumentation, Verantwortlichkeiten und technische Abhängigkeiten, um eine passende Alternative zu definieren. Je nach Anwendungsfall kann das eine kontrollierte Übergangslösung, z.B. der Ersatz durch Microsoft Forms oder die Entwicklung einer modernen Web- oder App-Anwendung sein.

Gerade bei geschäftskritischen Tools ist eine Neuentwicklung oft der nachhaltigere Weg. Moderne Anwendungen ermöglichen klare Rollen- und Rechtekonzepte, zentrale Datenhaltung, bessere Wartbarkeit und kontrollierte Release-Prozesse. Damit wird aus einer schwer überschaubaren Office-Datei eine belastbare Lösung für den Unternehmensalltag.

Handlungsempfehlung für KMU

Unternehmen sollten ActiveX jetzt nicht nur technisch bewerten, sondern die betroffenen Prozesse gezielt auf den Prüfstand stellen. Entscheidend ist, Transparenz zu schaffen: Welche Lösungen sind betroffen, wie kritisch sind sie für den Betrieb und welche Risiken entstehen für Sicherheit, Wartbarkeit und Compliance?

Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Abhängigkeiten strukturiert zu analysieren und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Statt ActiveX pauschal wieder zu aktivieren, entwickeln wir gemeinsam einen sinnvollen Migrationspfad. Ziel ist eine Lösung, die zum jeweiligen Prozess passt und langfristig sicher betrieben werden kann.

Armin Lungwitz

Author: Armin Lungwitz

Armin Lungwitz, Geschäftsführer und Gründer von bellmatect, ist ein erfahrener Consultant und kreativer Produktentwickler.

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